SIMONIS Journal · Verantwortung

Wenn es schwierig wird

Ein internationaler Yachttransport gerät ins Stocken. In der Unsicherheit zeigt sich, ob jemand nur vermittelt oder wirklich Verantwortung begleitet.

7 Minuten LesezeitFrank Simonis

Es war eines dieser Projekte, bei denen aus einer klaren Route plötzlich ein Geflecht aus Ländern, Genehmigungen, Häfen und neuen Informationen wurde.

Eine Yacht sollte über mehrere Grenzen zu ihrem neuen Einsatzort gebracht werden. Der Transport war vorbereitet, Termine waren abgestimmt und die Beteiligten kannten ihre Aufgaben. Dann begannen die Verzögerungen.

Ein Dokument wurde anders bewertet als erwartet. Ein Fahrer durfte einen Abschnitt der Route nicht wie vorgesehen fortsetzen. Ein Hafen wurde vom vermeintlichen Ziel zur nächsten Prüfung. Und mit jeder neuen Nachricht änderten sich Zeitplan, Kosten und Erwartungen.

Der eigentliche Stress entsteht nicht nur durch das Problem.

Er entsteht durch Unsicherheit. Durch das ständige Vielleicht. Vielleicht fährt die Fähre. Vielleicht wird das Dokument akzeptiert. Vielleicht kann der Fahrer weiter. Vielleicht kommt morgen eine neue Anforderung hinzu.

In solchen Situationen wünschen sich Kunden keine perfekte Erklärung. Sie wünschen sich vor allem, dass jemand erreichbar bleibt, Informationen ordnet und die nächste belastbare Entscheidung vorbereitet.

Probleme sind nicht der Moment, in dem Vertrauen automatisch verloren geht. Sie sind der Moment, in dem Vertrauen sichtbar werden kann.

Es gab zahlreiche Telefonate zwischen Transporteuren, Partnern, Behördenkontakten und der Kundenseite. Manchmal bestand die Arbeit nur darin, widersprüchliche Aussagen voneinander zu trennen. Was ist sicher? Was ist Vermutung? Wer kann entscheiden? Was muss heute geschehen und was darf nicht vorschnell versprochen werden?

Ich konnte weder eine Grenze öffnen noch eine Fähre beschleunigen. Verantwortung bedeutet nicht, jedes Ereignis kontrollieren zu können. Sie bedeutet, sich nicht aus der Situation zurückzuziehen, sobald der ursprüngliche Plan nicht mehr funktioniert.

Erreichbarkeit ist keine Lösung. Aber oft ihre Voraussetzung.

Das Projekt kam schließlich weiter. Nicht geradlinig und nicht ohne zusätzliche Anstrengung. Rückblickend blieb jedoch weniger die einzelne Verzögerung in Erinnerung als die Art, wie alle Beteiligten durch die Unsicherheit geführt wurden.

Eine schwierige Nachricht früh auszusprechen, ist fast immer besser als eine beruhigende Nachricht, die später korrigiert werden muss. Ebenso wichtig ist es, Fehler und offene Punkte nicht zu verstecken. Kunden akzeptieren erstaunlich viele Probleme, wenn sie nachvollziehen können, was geschieht und wie daran gearbeitet wird.

Seitdem betrachte ich Krisen nicht mehr als Unterbrechung der eigentlichen Arbeit. Häufig sind sie die eigentliche Arbeit.

Was ich gelernt habe

Vertrauen entsteht nicht dadurch, dass alles perfekt läuft. Es entsteht, wenn Menschen erleben: Wenn es schwierig wird, bin ich nicht allein.

Nächste GeschichteNach dem Kauf beginnt die eigentliche Reise